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Archiv der Kategorie ‘Lombok‘

Bericht von der SMA 3 in Mataram

Montag, den 21. September 2009

WILLST DU WAS BEWEGEN, MUSST DU DICH BEWEGEN

Diesen Satz hörte ich hier von einer Kollegin aus Hamburg. Es hat sich viel für mich bewegt.
Anbei ein paar Fotos von einem Deutschunterricht in der 10.Klasse der SMA 3 in Mataram. Meine ersten ehrenamtlichen Unterrichtsstunden dort waren völlig unvorbereitet. An meinem ersten Tag in der Schule wurde gerade eine Deutscholympiade durchgeführt, d. h. alle Schulen in Lombok an denen Deutsch unterrichtet wird, hatten zwei Schüler zu dieser Olympiade geschickt. Die jeweils besten zwei Schüler durften zur Landesolympiade nach Jakarta fahren. Da die Deutschlehrerin mit der Organisation sehr beschäftigt war, wurde ich sofort ins kalte Wasser geworfen und sollte drei Klassen ohne Vorbereitung unterrichten.
Vertretungsunterricht in einem fremden Land, in einer fremden Sprache, in einer fremden Schulstufe!! Am Anfang habe ich ganz schön geschwitzt: Meine ersten Unterrichtsstunden in Indonesien! Ich wusste nicht, auf welchem Stand die Schülerinnen und Schüler sind und hatte keine Medien dabei. Was macht man in einem solchen Fall? Sich unterhalten! Dazu stellte ich erst einmal den Klassenraum zur Überraschung aller in Kreisform um, für mich die beste Sitzordnung, um ein Gespräch zu führen. Offenbar war es sehr ungewohnt für die Schülerinnen und Schüler, aber es gefiel ihnen. Die ersten beiden Klassen hatten verhältnismäßig wenig Deutschkenntnisse, daher war es mit einer Unterhaltung schwierig. Was tun in einem solchen Fall? Den Körper hat man immer dabei, und so folgten Wortschatzübungen zum Körper. Auf Wunsch der Schüler nahm ich die Farben hinzu. Die deutschen Fußballclubs waren ebenfalls Thema. Insgesamt hatten wir sehr viel Spaß.

Drei Tage später sollte ich in einer anderen Klasse unterrichten. Mit dem Kollegen hatte ich das Thema „Schulsachen“, abgesprochen, das laut Curriculum durchzunehmen war. Hier kann ich wieder von Glück sagen, dass ich die Niekao Materialien hatte. Habe das Layout des Englischmaterials übernommen, die Fotos zu den Schulsachen waren schnell gefunden. Zur Vorbereitung war nicht viel Zeit, da ich zur gleichen Zeit auf Wunsch des Schulamtes auch an der Grundschule mit internationalem Standard tätig bin, ebenfalls
ehrenamtlich. Am Abend zuvor wollte ich die Materialien ausdrucken, und dann passierte das, was in solchen Fällen hier passiert:Stromausfall!! Wie lange so ein Stromausfall dauert, weiß man nie so genau. Also packte ich meinen Drucker ein, setzte mich ins Taxi und fuhr in mein Stammrestaurant. Dort druckte ich die Arbeitsmaterialien aus. Zu Hause laminierte ich alles und schnitt die benötigten Spiele für die Gruppenarbeit aus. Um 1.00 Uhr nachts war ich fertig und fiel völlig erschöpft ins Bett. Die Arbeit sollte sich lohnen. Schüler und Lehrer waren gleichermaßen begeistert. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, wie toll alle mitgemacht haben. Der Lehrer war sehr erstaunt, wie schnell die Schüler die neuen Vokabeln beherrschten. Er erzählte mir, dass die Schüler noch nie mit solchen Medien gearbeitet hätten und will in jedem Fall die Methode kopieren. Der Erfolg dieser Stunde hatte sich schnell in der Schule herumgesprochen. Nun wollen auch die Lehrer mit mir deutsch lernen. Dies wurde von dem Englischlehrer der Schule organisiert. Er sprach mich letzte Woche an und meinte, er habe meinem Unterricht zwar nicht beigewohnt, habe aber die fröhlichen und zufriedenen Gesichter der Schüler gesehen. Morgen habe ich das erste Treffen mit den Lehrern. Es fasziniert mich sehr, wie aufgeschlossen die Kollegen hier sind, Neues zu lernen.

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Zum Schluss noch ein Anliegen, ich würde gerne einen Emailaustausch in Deutsch mit Schülerinnen und Schülern der SMA3 in Mataram und Schülerinnen und Schülern in Deutschland vermitteln. Bei Interesse
meldet euch bitte bei mir.

Eure
Gabriela

Unterrichtsmaterialien auf Reisen

Sonntag, den 13. September 2009

Lombok, 05.09.09

Niekao Werkstatt in  Lombok

Die  große Begeisterung über die „Plättchen in der Hand“ in Segenter motivierte mich, weiteres Material herzustellen. Ein Kostenüberschlag ergab allerdings sehr schnell, dass es ziemlich teuer werden würde, die Materialien in Geschäften drucken und  laminieren zu lassen. Ich selbst bin nicht mobil und bewege mich weitgehend mit Taxi oder dem Bemo, einem Sammeltaxi fort, wobei ich lange Strecken mit dem Taxi fahre. Alles zusammen ist auf Dauer ziemlich kostspielig und zeitaufwendig. Daher beschloss ich, einen Farbdrucker und ein Laminiergerät zu kaufen. Für die Beschaffung der weiteren Materialien, Papier, Lamiertaschen, neue Tinte etc. benötige ich die Hilfe von Freunden, eine Lernaufgabe für mich, da ich gewohnt bin, alles selbst zu erledigen.
Mein Herz jubelte, als ich die ersten Materialien in einer wunderbaren Qualität ausdrucken und laminieren konnte. Sehr schnell waren über 100 Seiten hergestellt, mittlerweile über 300 Seiten. Da es mir zu langweilig war, zu Hause die Materialien auszuschneiden, nahm ich sie in mein Lieblingsrestaurant mit. Es ist einfach wunderbar im Freien in Begleitung des Meeresrauschens Niekaos Rechenraupen, Rechenraketen, Zauberdreiecke, Zauberquadrate etc. auszuschneiden. Sehr schnell interessierten sich Angestellte und Besitzer für meine Arbeit und  brüteten über den Lösungen. Die Zauberquadrate zogen alle in den Bann und sind eine harte Nuss. Jefta Hariadi, der Besitzer des Restaurants fand als erster eine Formel zur Lösung der Zauberquadrate. Offen gestanden bin ich noch am Knobeln, finde die Lösung nur durch Ausprobieren. Jefta gab mir allerdings einen entscheidenden Tipp, so dass ich die Aufgaben nun auch rasch lösen kann, aber ich habe noch nicht verstanden, warum das so ist. Bin noch am Brüten. Im Augenblick versucht Jefta mit Freunden den Zauberquadraten Nr. 2 auf die Spur zu kommen, und es ist gleich Mitternacht. Eine spannende Angelegenheit!
Zum Ausschneiden komme ich allerdings nicht mehr, weil das vom gesamten Staff des Restaurants übernommen wird. Es ist eine große Freude zu erleben, mit welcher Begeisterung die Menschen mich hier unterstützen. Dafür bin ich allen von ganzem Herzen dankbar.
Ohne die Materialien von Niekao könnte ich meine Aufgabe in Indonesien nicht fortsetzen. Daher möchte ich dem ganzen Team von Niekao an dieser Stelle meinen besonderen Dank für die kostenlose Bereitstellung der Materialien aussprechen.
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Es gibt noch etwas Neues, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Besuch in einem traditionellen Sasakdorf in Lombok

Donnerstag, den 27. August 2009

Meine Zeit mit den Kindern der Oase war wunderbar und ich habe gespürt, dass ich in Indonesien einiges bewegen kann und will. Tolle Menschen begleiten mich dabei dabei. So zog es mich weiter in ein traditionelles Sasakdorf, das ich seit 1992 kenne.
Bei meinem ersten Besuch 1992 gab es in dem Dorf kein Wasser und keinen Strom. Die Dorfbewohner mussten ca. 6 km weit laufen, um sich zu waschen.
Einmal in der Woche nahmen die Bewohner diesen Fußmarsch auf sich, und wenn sie zu Hause ankamen, waren sie wieder staubig. Bei meinem letzten Besuch 1994 hatte das Dorf einen Wasseranschluss bekommen. Es gab einen Waschraum für Männer und Frauen. In dem Waschraum der Frauen entdeckte ich damals einen Luffaschwamm und erkundigte mich, wo man den kaufen könne. So fragt halt jemand, der den Luffaschwamm in Deutschland im Reformhaus kauft. Zu meinem Erstaunen erfuhr ich, dass die Luffaschwämme hier auf Bäumen wachsen, und sofort kletterten Menschen auf einen Baum, und ich konnte mich vor Luffageschenken kaum retten.
In dem Dorf gab es damals kein Geschäft und keine Schule. Nur wenige Kinder besuchten eine Schule, da sie sehr weit laufen mussten. Das Faszinierende für mich war die Sauberkeit in dem Dorf. Es lag kein Abfall herum, was hier sehr ungewöhnlich ist.

Letzte Woche besuchte ich das Dorf nach fünfzehn Jahren wieder.
Außerhalb des Dorfes hat sich einiges verändert. Es gibt einen sehr einladenden großen Vorplatz und eine Schule. Im Dorf selbst ist alles so geblieben, wie ich es von früher kannte. Zu meinem Erstaunen erkannten mich einige Menschen und erinnerten sich, dass ich damals immer Shampoo mitgebracht hatte. Das hatte ich natürlich auch diesmal wieder im Gepäck, und es war sehr berührend zu erleben, wie sich die Kinder über ein Tütchen Shampoo freuten. Ich konnte beobachten, wie alle sehr darauf achteten, dass alles gerecht verteilt wurde. Es gab keinen Zank und Streit. Neid und Missgunst scheint es in dem Dorf nicht zu geben.
Gegen Ende meines Besuches schaute ich mir die Schule an. Sie wurde von Holländern gesponsert und sieht aus wie alle Schulen hier. Ein lang gezogenes Gebäude mit Tafel, braunen Tischen und Stühlen, sowie einem Bücherschrank in den Klassen.
Zu Hause angekommen hatte ich die Idee, der Schule Materialien von Niekao zu schenken. In einem Internetcafe druckte ich die „Plättchen in der Hand“ aus und laminierte sie in einem Laden.
Fünf Tage später hatte ich wieder die Gelegenheit, ins Dorf zu fahren.
Dieses Mal erlebte ich etwas ganz Besonderes - eine traditionelle Sasaktaufe und wurde Taufpatin des 5 Tage alten Mädchens Hikma. Es war ein sehr ergreifender Moment für mich, dieses neu geborene Menschenkind während der Zeremonie in den Armen zu halten. Hikma bekam aus einem Naturstoff einen braunen Punkt auf Stirn und Hals zum Schutz vor bösen Geistern, damit sie in ihrem irdischen Leben nicht gestört werde.
Nach einem köstlichen Essen, das alle Frauen des Dorfes gekocht hatten, war es wieder Zeit, Geschenke zu verteilen. Ein Kind benutzte das Shampoo als Haarstyling, ein anderes verwechselte die Seife mit einer Süßigkeit und biss hinein. Ich kam nicht auf die Idee, die Anwendung von Shampoo und Seife zu erläutern.
Die „Plättchen in der Hand“ von Niekao waren der Hit. Erwachsene wie Kinder erfreuten sich, die fehlenden Plättchen zu ergänzen. Mangels roter Plättchen benutzten wir Steine als konkretes Material. Es war faszinierend wie schnell und ohne Erklärung das Prinzip der Selbstkontrolle, das ja ein elementares Montessoriprinzip ist, von allen begriffen und angewandt wurde.
Mögen euch die Fotos in eine Welt ohne technischen Fortschritt, aber in eine Welt glücklicher Menschen einladen.

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Liebe Grüße
eure
Gabriela

Gabrielas Reisetagebuch - Lombok

Sonntag, den 7. Juni 2009

Neues von Gabriela in Lombok
07.06.2009

Ich habe die vielen Mails zu Steffis Blogbeitrag bezüglich der Kinderoase Lombok - Indonesien gelesen. Ich danke euch für die guten Wünsche, die ihr mir geschickt habt. Da das Interesse so groß ist, haben Steffi und ich überlegt, euch ein bisschen mit einzubeziehen. Ich finde es schön, meine Eindrücke festzuhalten und Steffi ist sich sicher, euch gefällt es, mich dabei zu begleiten. Und so startet unser Projekt Reisetagebuch einer Montessoripädagogin in Lombok. Mal sehen, wo es uns hinführt…

Ich bin jetzt mittlerweile 6 Wochen hier. Einerseits kann ich es kaum glauben, dass es schon so lange ist, andererseits ist so viel passiert, dass es sich für mich wie eine Ewigkeit anfühlt.

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Als erstes möchte ich euch kurz erzählen, wo ich mich aufhalte.
Lombok ist eine Nachbarinsel von Bali. Bali ist die einzige Gegend außerhalb Indiens und Nepals mit überwiegend hinduistischer Bevölkerung. Die ethnische Bevölkerungsgruppe Lomboks, die Sasak, sind moslemisch. Die Sasak sind mit den Balinesen ethnisch und sprachlich verwandt, und in Lombok gibt es viele Balinesen.
Die Kinderoase befindet sich in einem balinesischen Dorf in Lombok.

Mittlerweile kenne ich fast alle Kinder beim Namen, und das war gar nicht so einfach. Solange ich die Kinder Ani, Agus etc vorgestellt bekam, war das einfach. Aber bei Ida Made, Ida Wayan, Made Seriasih brauchte ich schon eine Weile, bis ich die Kinder mit Namen ansprechen konnte. Wenn dann Junge und Mädchen den Beinamen Wayan, Made oder Komang hatten, war ich völlig verwirrt. Ich hatte vergessen, dass die Balinesen bei der Namensgebung die Reihenfolge der Geburt einbeziehen.
Da ich drei verschiedene Versionen bezüglich der Rangfolge erzählt bekam, schreibe ich diese lieber nicht auf, bevor ich nicht ganz sicher bin. Ich werde Ida Ketut, den Englischlehrer aus dem Projekt, fragen.

Im Augenblick sitze ich in einem Restaurant am Strand von Lombok. Höre das Rauschen des Meeres und schreibe diese Zeilen. Für mich ist einfach wundervoll entspannend, das Meer zu sehen und zu hören. Wenn ich abends nach einem langen Tag und anstrengender Mopedfahrt nach Hause komme, ist es für mich Entspannung pur, am Meer zu sein. Ein Weg mit dem Moped zur Oase dauert ca, eine Stunde. Während mir am Anfang der Angstschweiß auf der Stirn stand, wenn ich dran dachte, mit dem Moped fahren zu müssen, bin ich mittlerweile ganz locker. Kann sogar während der Fahrt mit dem Fahrer ein Schwätzchen halten, was vorher unmöglich war. Ade, der Gründer der Oase und Freund von mir, dachte einmal, ich sei eingeschlafen, weil ich so still war. Vorgestern habe ich mit Sam, er ist für die 2./ 3. Klasse verantwortlich, den Versuch unternommen, während der Fahrt den Bananenbrotsong von Rolf Zuckowsky ins Indonesische zu übersetzen. Wir haben dabei viel gelacht.
Die erste Strophe steht bereits. Aus dem Bananenbrot haben wir pisang goreng = gebackene Bananen gemacht

Für heute mache ich Schluss und sende euch erste Fotos von der Oase.
Ihr könnt euch auch die Homepage anschauen. www.kinderoase-lombok.de

Liebe Grüße
Eure Gabriela


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