Alles über Unterricht, Lernmaterial und Lernwerkstätten von Niekao Lernwelten  
    Startseite | Shop | Einloggen | Ihr Konto | Warenkorb | Kasse
 
 
 

Archiv der Kategorie ‘Rechtschreibung‘

Lesen durch Schreiben - Schlechte Ergebnisse durch fehlende Anschlusskonzepte in den Klassen 2-4

Sonntag, den 9. August 2009

Ziel der Methode „Lesen durch Schreiben“ ist das Verschriften von Lauten zu Buchstaben mit Hilfe einer Anlauttabelle. Die Kinder schreiben Buchstabe für Buchstabe analog zum Hören auf. Tun sie dies über die Dauer eines ganzen Schuljahres, besteht die Gefahr, dass Kinder das kognitive Erklärungsmuster verinnerlichen, dass Schrift eine reine Umsetzung gesprochener Sprache darstellt. Unsere Schreibung beruht jedoch nicht auf einer Eins-zu-eins-Umsetzung der Lautung, sondern wird durch eine Vielzahl rechtschriftlicher Strategien und Prinzipien bestimmt. Mit dieser Realität werden die Kinder im zweiten Schuljahr konfrontiert, wenn die Orthografie mit Einsatz der gängigen Sprachbücher einen immer höheren Stellenwert einnimmt und über die reine Abhörstrategie nicht bewältigt werden kann.
Kritiker der Methode wie Wilfried Metze belegen in zahlreichen Studien, dass die Rechtschreibleistungen der Kinder in den letzten zehn Jahren eklatant zurückgehen. Und schlimmer noch, im Vergleich der Methoden „Lehrgangsorientierter Fibelunterricht“ und „Offener Zugang zur Schrift über Lesen durch Schreiben“ geht erstere Methode als klarer Sieger hervor. In allen Erhebungen schneiden strukturierte Lehrgänge besser ab als die Methode „Lesen durch Schreiben“. http://www.wilfriedmetze.de/html/gsv.html

Das liegt jedoch nicht an der Methode, sondern an fehlenden Konzepten im Anschluss an die Methode. Die Methode „Lesen durch Schreiben“ stellt eine erste Strategie im Schreiblernprozess dar. Als individueller Einstieg in diesen lebenslangen Prozess vermittelt sie schnelle Erfolgserlebnisse. Das ist ihre Stärke, sie ermöglicht individuellen Lernfortschritt, wirkt stark motivierend und fördert eine positive Lernhaltung der Schreibanfänger. Das Erlernen der Phonem-Graphem-Korrespondenz, also die Zuordnung von Lauten zu Buchstaben, beschränkt sich jedoch bekanntermaßen nicht nur auf das Gehör, sondern setzt ein gezieltes Strategienlernen voraus. Hiermit muss daher zu Beginn des zweiten Schuljahres angesetzt werden.
In den modernen Sprachbüchern findet endlich eine Ablösung vom rein visuellen Wortschatztraining hin zum Strategienlernen statt. Der Weg ist gut, doch fehlt eine Strukturierung, eine Isolierung der Schwierigkeiten. Kinder, deren einziges zur Verfügung stehendes „Werkzeug“ zum Verschriften von Sprache das Ohr ist, können nicht von heute auf morgen auf den visuellen Lernkanal umschwenken und erfolgreich Wortbilder verinnerlichen. Das haben sie noch nicht gelernt!
Ihr bisheriger kognitiver Zugang zur Schrift war das Gehör. Dieser Zugang muss nun in kleinen Schritten ergänzt und erweitert werden. Jede Strategie ist ein neues Werkzeug in ihrem „Strategienkoffer“, mit dem sie den Urwald der Rechtschreibung lichten und sich ihren Weg zu sicheren Rechtschreibern bahnen können. Für den Lehrer besteht die Herausforderung, diese Strategien sinnvoll zu strukturieren. Bei guter Planung bauen Strategien aufeinander auf. Sie lassen sich entdecken, begreifen und damit auf neue Schwierigkeiten transferieren. Wer verinnerlicht hat, dass es kurze und lange Vokale gibt, ist gut vorbereitet für das Dehnungs-h, das tz und die Schärfung beim s. Wer durch Mehrzahlbildung die Auslautverhärtung beim d und t beherrscht, kann diese Strategie auch für das b und p, das g und k anwenden.

Eine Isolierung der Schwierigkeiten gelingt im Konzept der Rechtschreibwerkstatt von Sommer Stumpenhorst. Die hierbei vorausgesetzte Arbeitshaltung der Lernanfänger, in individuellem Tempo selbstgesteuert zu lernen, überfordert jedoch viele Kinder.
Es ist kein Widerspruch, insbesondere bei heterogener Zusammensetzung einer Lerngruppe und bei hoher Klassenstärke, einen gelenkten Gleichschritt anzuraten. Er gibt sowohl den Schülern als auch der Lehrkraft Sicherheit und Selbstvertrauen und lässt niemanden zurück. Um allen Kindern gerecht zu werden, gilt es, innerhalb dieses Gleichschrittes individuelle Freiräume zu ermöglichen.
In meiner Unterrichtspraxis habe ich mit Beginn des zweiten Schuljahres Schritt für Schritt im Klassenverband wesentliche Rechtschreibstrategien erarbeitet, deren Einsatz und Anwendung die Kinder über vielfältiges Freiarbeitsmaterial automatisiert haben. Die differenzierenden Freiarbeitsmaterialien zum aktuellen Übungsschwerpunkt öffneten den Unterricht, erhielten die Lernfreude und setzten das individuelle Lernen des ersten Schuljahres im strukturierten und gelenkten Rechtschreibunterricht des zweiten Schuljahres fort. Wöchentliche ungeübte Diktate wurden vom Wortmaterial her isoliert und auf den aktuellen Lernstand zugeschnitten. Schreibungen, welche dem Lernstand noch nicht entsprachen, wurden konsequent ausgeklammert. Auch bei der Korrektur freier Schreibungen wurden konsequent nur diejenigen Falschschreibungen markiert, welche dem aktuellen Lernstand entsprachen. So hatten die Kinder zu jeder Zeit einen transparenten Blick auf die aktuellen Anforderungen, auf ihren tatsächlichen Lernstand und damit auf ihre in der Freiarbeit zu bedienenden individuellen Reserven. Mit dem Ende der Klasse 3 wurde eine Isolierung des Wortmaterials überflüssig. In Klasse 4 wird der Umfang der diktierten Texte von 90 auf 120 Wörter steigen.

Spannend zum Weiterlesen
Im Rahmen einer Fachtagung für Schulrätinnen und Schulräte in NRW wurden Prof. Dr. Hans BRÜGELMANN, Prof. Dr. Wolfgang EICHLER, Dr. Jürgen REICHEN und Wilfried METZE zu einem Fachgespräch über den Anfangsunterricht im Lesen und Schreiben eingeladen, weil die Fachdiskussion durch die zunehmende Öffnung des Unterrichts und Verbreitung freien Schreibens einereits, durch die Klagen über mangelnde Rechtschreibung bzw. der Qualitätssicherung andererseits für viele Lehrerinnen und Lehrer unübersichtlich geworden ist. Das Fachgespräch hatte die Zielsetzung, verschiedene Positionen auszutauschen und Standpunkte zu verdeutlichen. Zur Vorbereitung des Fachgesprächs haben alle vier Referenten Fragen schriftlich beantwortet. Die Fragen und Antworten werden hier getrennt dargestellt.

Letztlich ist jede Methode und jeder Ansatz immer nur so gut wie der Lehrer, oder die Lehrerin, die ihn lebt und vertritt. Gerade zum Schuljahreswechsel stelle ich mich und meine Methoden immer wieder in Frage und bin damit sicher nicht allein. Ich denke, ich habe meinen Weg gefunden, denn ich erfahre viel Bestätigung im Alltag. Vielleicht helfen euch die Links, euch ebenfalls individuell zu positionieren und eventuell ermutigen sie euch sogar, ganz eigene neue Wege zu gehen. Ich wünsche euch allen ein erfolgreiches neues Schuljahr!
Steffi

Rechtschreibkonzept ab Klasse 2

Donnerstag, den 19. Juni 2008

Beim Rechtschreibenlernen speichern Kinder Wortbilder ab und noch heute meinen viele Kollegen und Kolleginnen, dass Kinder Wörter nach häufigem Üben dauerhaft richtig schreiben können. Das gilt leider nur für diejenigen Kinder, die optische Lerner sind. Und so erleben Grundschullehrkräfte immer wieder, dass Kinder nach vielfachem Üben für ein Diktat (auch mit Mamas Hilfe), in eben diesem Diktat zwar schwierige Wörter richtig schreiben können, ein Transfer auf das freie Schreiben aber noch lange nicht gewährleistet ist. Im Gegenteil, schwache Rechtschreiber schreiben genau diese geübten Wörter in den nächsten eigenen Texten wieder falsch und zwar jedes Mal „anders falsch“.

Wenn ein solcher methodischer Ansatz auf ein Konzept des Lesens durch Schreiben folgt, stoßen unterschiedliche Welten aufeinander. Erst wird ein ganzes erstes Schuljahr lang das aktive Hören trainiert, es wird ein phonetisches Bewusstsein angebahnt und die Kinder entwickeln ihre erste Rechtschreibstrategie, nämlich das Hören. Und dann fällt diese Strategie im zweiten Schuljahr hinten weg und stattdessen werden Wortbilder gespeichert. Wörter werden geschlichen, geknickt, in Dosen eingetütet und feste zu Hause geübt um sie dann im Diktat möglichst fehlerfrei wieder aufzuschreiben.

Heute weiß man, dass Kinder beim Rechtschreiblernen unterschiedliche Strategien entwickeln. Unter der Vermittlung von Rechtschreibstrategien verstehe ich daher, die Kinder zu Überlegungen bzw. inneren Denkhandlungen zu befähigen, denen sie beim Schreiben folgen.

Ich bin deshalb in diesem Durchgang von Anfang an neue Wege gegangen. Ich habe von der ersten Schulwoche des zweiten Schuljahres an lautgetreue wöchentliche Diktate geschrieben. Es begann mit einzelnen Wörtern, die ich auch als Freiarbeitsmaterial an die Hand gab.

Lautierkarten für die Klassen 1 und 2
Schreibkarten zum lautgetreuen Eigen- und Partnerdiktat

Ich habe von Anfang an in der Quantität differenziert und einige Kinder Kurzdiktate schreiben lassen. Diese Kinder hatten dann mehr Zeit für die Selbstkontrolle. Jedes Wort mit dem Daumen buchstabenweise erlesen und die Nomen blau unterstreichen. Nach einigen Wochen diktierte ich lautgetreue Wortgruppen ” eine schöner Baum, eine rote Tomate,…” In den folgenden Monaten habe ich die Auslautverhärtung eingeführt. Es begann mit der Unterscheidung von d und t im Auslaut. ” Ein guter Hund, eine kleine Hand…” Wir lernten die Strategie des Verlängerns kennen. An Material erarbeiteten die Kinder die Rechtschreibscheiben zum d und t.
Steffis Rechtschreibscheiben

Jetzt markierten die Kinder ihre Wörter mit grün, wenn es “Denkwörter” waren, also Wörter, die sich anders schreiben als man sie hört. Hier reicht nicht das gute und genaue Hören, hier muss nachgedacht werden.
Später kamen die Scheiben zum b und p, g und k und gegen Ende des ersten Halbjahres die Scheiben zum g und ch dazu. Allen Schwierigkeiten konnten die Kinder mit dem Steigern und der Mehrzahlbildung begegnen. Es waren immer dieselben Strategien, die wir geübt haben. Wöchentlich wurde es einfacher, die Diktate zu erstellen, da immer mehr Wörter möglich waren. Kleine Wörter, die häufig geschrieben werden (die, sie, und) haben wir Stück für Stück mit einbezogen. Wir haben viele mündliche Spiele gespielt und die Auslautverhärtung täglich geübt. Gerne beschreibe ich in einem anderen Beitrag die Spiele, Kommentar bei Interesse genügt ;O).

Anfang des zweiten Halbjahres erarbeiteten wir die Konsonantendopplung nach kurzbetonten Stammvokal. Auch hierfür setzen wir die Scheiben ein. Das dauerte und war eine schwierige Angelegenheit. Unsere Diktate waren nun auf einen Umfang von etwa 50 Wörtern angewachsen und enthielten Wörter mit Auslautverhärtung und immer mehr Doppelkonsonanten. Am Ende des Schuljahres erarbeiteten wir das “ck” und das “tz”. Das ging sehr einfach, denn im Prinzip ist das nichts anderes als eine Konsonantendopplung. Es kam noch die Regel “nach l,n,r, das merke ja, schreibe nie tz und nie ck” dazu. Das haben meine Kinder locker gelernt. Die letzten drei Diktate hatten ca. 60 Wörter. Jetzt ist es auch gar kein Thema mehr, Diktattexte zu entwerfen. Und ich muss es hier einfach loswerden, weil ich so stolz auf meine Kinder bin. Hier ist unser letzter Diktattext:

Das Gewitter
Es ist ein schöner Tag.
Es ist sonnig und warm.
Der Himmel ist blau.
Plötzlich kommen dunkle Wolken auf.
Ein starker Wind raschelt in den Blättern der Bäume.
Kurztext für drei meiner Kinder mit 30 Wörtern.

Der Wind ist jetzt ein Sturm.
Der Himmel ist schwarz.
Die Luft ist kalt.
Katzen bringen sich in Sicherheit.
Jetzt zuckt der erste Blitz am Himmel.
Ein erster Donner kracht laut.
Langtext mit 61 Wörtern für alle anderen.

Wir gehen im Anschluss an das Diktat jedes Wort durch und die Kinder deklarieren es als ein “Hör”- oder “Denkwort”. Hier sind die Denkwörter fett gedruck. Bei der Bewertung halte ich es wie in einer Mathearbeit. Jedes richtig geschriebene Wort ergibt einen Punkt. Werden bis 98% aller Wörter richtig geschrieben, ist das Diktat eine Eins, bis 89% eine Zwei, bis 70% eine Drei, bis 50% eine Vier und ab 30% eine Fünf.
Und jetzt will und muss und darf ich mal strunzen :O))))

Meine Delfine hatten in diesem Diktat einen Notendurchschnitt von 1,9!!!
Wir haben das gefeiert mit einem Hausaufgabenfrei. :O)

Das zeigt mir, dass dieser Weg ein Guter ist. Zum Hören und Denken haben wir natürlich auch das optische Lernen durch das Verinnerlichen von Wortbildern geübt. Dazu haben wir die Abschreibetechnik erlernt und mit der Abschreibekartei richtig verinnerlicht. Damit werden auch die Kinder erreicht, die über ein besonders gutes optisches Gedächtnis verfügen.

Arbeitstechnik Abschreiben

Im kommenden Schuljahr werde ich Erikas Werkstätten zum langen “ie” und “i” einsetzen.

Rechtschreibtraining zum langen ie
Rechtschreibtraining zum langen i

Und danach kommt die Werkstatt zum Dehnungs-h. Die liegt zur Zeit aber noch bei Ulla im Lektorat.
Und so verbleibe ich, glücklich und sehr stolz und kurz vor den Ferien
Eure Steffi

Übungsmaterial zum langem “ie”

Samstag, den 19. April 2008

Neues aus dem Bereich Rechtschreiben in der Grundschule ab Klasse 2 oder für den Einsatz im Förderunterricht.
Im Mittelpunkt des neuen Übungspaketes für die Rechtschreibung stehen 12 Übungsformen zum langen “ie”. Ich selbst habe das Übungsmaterial zur Rechtschreibung des langen “ie” in meiner Grundschule zur Mitte des zweiten Halbjahres in den Klassen 3 und zur Wiederholung und Übung im Förderunterricht der Klasse 4 bereits erfolgreich eingesetzt.
Auch diese Rechtschreibwerktatt eignet sich sehr gut für die Differenzierung im Deutschunterricht, da sämtliche Rechtschreibübungen selbsterklärend sind und eine Selbstkontrolle beinhalten. Schnell lernende Schüler beschäftigen sich mit den Angeboten, bis der Rest der Klasse soweit ist. Mit den langsamer lernenden Schülern arbeite ich vorwiegend im Förderunterricht in den Werkstätten und begleite ihren Lernprozess dabei.
Auch diese Übungen für die Rechtschreibung sollen die Kinder dazu anleiten, sich hörend, denkend und hinterfragend mit Rechtschreibung auseinanderzusetzen. Die Rechtschreibübungen zum langem “ie” orientieren sich an den unterschiedlichen Lerntypen in der Grundschule ab Klasse 3.
Station 11


Tags:


 
   © Niekao Lernwelten Blog | Shop | WordPress | Beiträge (RSS) | und Kommentare (RSS)