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Lesen durch Schreiben - Schlechte Ergebnisse durch fehlende Anschlusskonzepte in den Klassen 2-4

Ziel der Methode „Lesen durch Schreiben“ ist das Verschriften von Lauten zu Buchstaben mit Hilfe einer Anlauttabelle. Die Kinder schreiben Buchstabe für Buchstabe analog zum Hören auf. Tun sie dies über die Dauer eines ganzen Schuljahres, besteht die Gefahr, dass Kinder das kognitive Erklärungsmuster verinnerlichen, dass Schrift eine reine Umsetzung gesprochener Sprache darstellt. Unsere Schreibung beruht jedoch nicht auf einer Eins-zu-eins-Umsetzung der Lautung, sondern wird durch eine Vielzahl rechtschriftlicher Strategien und Prinzipien bestimmt. Mit dieser Realität werden die Kinder im zweiten Schuljahr konfrontiert, wenn die Orthografie mit Einsatz der gängigen Sprachbücher einen immer höheren Stellenwert einnimmt und über die reine Abhörstrategie nicht bewältigt werden kann.
Kritiker der Methode wie Wilfried Metze belegen in zahlreichen Studien, dass die Rechtschreibleistungen der Kinder in den letzten zehn Jahren eklatant zurückgehen. Und schlimmer noch, im Vergleich der Methoden „Lehrgangsorientierter Fibelunterricht“ und „Offener Zugang zur Schrift über Lesen durch Schreiben“ geht erstere Methode als klarer Sieger hervor. In allen Erhebungen schneiden strukturierte Lehrgänge besser ab als die Methode „Lesen durch Schreiben“. http://www.wilfriedmetze.de/html/gsv.html

Das liegt jedoch nicht an der Methode, sondern an fehlenden Konzepten im Anschluss an die Methode. Die Methode „Lesen durch Schreiben“ stellt eine erste Strategie im Schreiblernprozess dar. Als individueller Einstieg in diesen lebenslangen Prozess vermittelt sie schnelle Erfolgserlebnisse. Das ist ihre Stärke, sie ermöglicht individuellen Lernfortschritt, wirkt stark motivierend und fördert eine positive Lernhaltung der Schreibanfänger. Das Erlernen der Phonem-Graphem-Korrespondenz, also die Zuordnung von Lauten zu Buchstaben, beschränkt sich jedoch bekanntermaßen nicht nur auf das Gehör, sondern setzt ein gezieltes Strategienlernen voraus. Hiermit muss daher zu Beginn des zweiten Schuljahres angesetzt werden.
In den modernen Sprachbüchern findet endlich eine Ablösung vom rein visuellen Wortschatztraining hin zum Strategienlernen statt. Der Weg ist gut, doch fehlt eine Strukturierung, eine Isolierung der Schwierigkeiten. Kinder, deren einziges zur Verfügung stehendes „Werkzeug“ zum Verschriften von Sprache das Ohr ist, können nicht von heute auf morgen auf den visuellen Lernkanal umschwenken und erfolgreich Wortbilder verinnerlichen. Das haben sie noch nicht gelernt!
Ihr bisheriger kognitiver Zugang zur Schrift war das Gehör. Dieser Zugang muss nun in kleinen Schritten ergänzt und erweitert werden. Jede Strategie ist ein neues Werkzeug in ihrem „Strategienkoffer“, mit dem sie den Urwald der Rechtschreibung lichten und sich ihren Weg zu sicheren Rechtschreibern bahnen können. Für den Lehrer besteht die Herausforderung, diese Strategien sinnvoll zu strukturieren. Bei guter Planung bauen Strategien aufeinander auf. Sie lassen sich entdecken, begreifen und damit auf neue Schwierigkeiten transferieren. Wer verinnerlicht hat, dass es kurze und lange Vokale gibt, ist gut vorbereitet für das Dehnungs-h, das tz und die Schärfung beim s. Wer durch Mehrzahlbildung die Auslautverhärtung beim d und t beherrscht, kann diese Strategie auch für das b und p, das g und k anwenden.

Eine Isolierung der Schwierigkeiten gelingt im Konzept der Rechtschreibwerkstatt von Sommer Stumpenhorst. Die hierbei vorausgesetzte Arbeitshaltung der Lernanfänger, in individuellem Tempo selbstgesteuert zu lernen, überfordert jedoch viele Kinder.
Es ist kein Widerspruch, insbesondere bei heterogener Zusammensetzung einer Lerngruppe und bei hoher Klassenstärke, einen gelenkten Gleichschritt anzuraten. Er gibt sowohl den Schülern als auch der Lehrkraft Sicherheit und Selbstvertrauen und lässt niemanden zurück. Um allen Kindern gerecht zu werden, gilt es, innerhalb dieses Gleichschrittes individuelle Freiräume zu ermöglichen.
In meiner Unterrichtspraxis habe ich mit Beginn des zweiten Schuljahres Schritt für Schritt im Klassenverband wesentliche Rechtschreibstrategien erarbeitet, deren Einsatz und Anwendung die Kinder über vielfältiges Freiarbeitsmaterial automatisiert haben. Die differenzierenden Freiarbeitsmaterialien zum aktuellen Übungsschwerpunkt öffneten den Unterricht, erhielten die Lernfreude und setzten das individuelle Lernen des ersten Schuljahres im strukturierten und gelenkten Rechtschreibunterricht des zweiten Schuljahres fort. Wöchentliche ungeübte Diktate wurden vom Wortmaterial her isoliert und auf den aktuellen Lernstand zugeschnitten. Schreibungen, welche dem Lernstand noch nicht entsprachen, wurden konsequent ausgeklammert. Auch bei der Korrektur freier Schreibungen wurden konsequent nur diejenigen Falschschreibungen markiert, welche dem aktuellen Lernstand entsprachen. So hatten die Kinder zu jeder Zeit einen transparenten Blick auf die aktuellen Anforderungen, auf ihren tatsächlichen Lernstand und damit auf ihre in der Freiarbeit zu bedienenden individuellen Reserven. Mit dem Ende der Klasse 3 wurde eine Isolierung des Wortmaterials überflüssig. In Klasse 4 wird der Umfang der diktierten Texte von 90 auf 120 Wörter steigen.

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Im Rahmen einer Fachtagung für Schulrätinnen und Schulräte in NRW wurden Prof. Dr. Hans BRÜGELMANN, Prof. Dr. Wolfgang EICHLER, Dr. Jürgen REICHEN und Wilfried METZE zu einem Fachgespräch über den Anfangsunterricht im Lesen und Schreiben eingeladen, weil die Fachdiskussion durch die zunehmende Öffnung des Unterrichts und Verbreitung freien Schreibens einereits, durch die Klagen über mangelnde Rechtschreibung bzw. der Qualitätssicherung andererseits für viele Lehrerinnen und Lehrer unübersichtlich geworden ist. Das Fachgespräch hatte die Zielsetzung, verschiedene Positionen auszutauschen und Standpunkte zu verdeutlichen. Zur Vorbereitung des Fachgesprächs haben alle vier Referenten Fragen schriftlich beantwortet. Die Fragen und Antworten werden hier getrennt dargestellt.

Letztlich ist jede Methode und jeder Ansatz immer nur so gut wie der Lehrer, oder die Lehrerin, die ihn lebt und vertritt. Gerade zum Schuljahreswechsel stelle ich mich und meine Methoden immer wieder in Frage und bin damit sicher nicht allein. Ich denke, ich habe meinen Weg gefunden, denn ich erfahre viel Bestätigung im Alltag. Vielleicht helfen euch die Links, euch ebenfalls individuell zu positionieren und eventuell ermutigen sie euch sogar, ganz eigene neue Wege zu gehen. Ich wünsche euch allen ein erfolgreiches neues Schuljahr!
Steffi

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Kategorien: Erstschreiben, Rechtschreibung
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