Als Elternteil fällt es einem nicht immer leicht, über die Sorgen und Ängste seiner Kinder jederzeit im Bilde zu sein. Gut zuhören heißt daher die Devise, wenn der Sprössling von sich aus das Gespräch sucht. Denn es geschieht nur äußerst selten, dass Kinder, die Opfer von Cybermobbing geworden sind, Hilfe bei ihren Eltern suchen. Vielmehr nagt an ihnen die Angst, dass sie von ihnen nicht verstanden, die Bedrohungen und Anfeindungen als solche nicht wahrgenommen werden oder dass durch das Gespräch die Situation noch verschlimmert wird. Der Schamfaktor spielt zudem eine große Rolle. Verschiedene Verhaltensweisen verraten, ob Kinder von Cybermobbing betroffen sind.

Aktivität vs. Passivität

Gemobbte Kinder und Jugendliche reagieren psychisch meist auf zwei verschiedene Arten: Entweder ziehen sie sich vollständig zurück oder sie schlagen ins Gegenteil um. Die Kinder der ersten Gruppe wirken niedergeschlagen, sind mitunter depressiv, häufig nervös und angespannt. Sie sind allgemein dünnhäutig, ängstlich, können sich auf manche Dinge gar nicht mehr konzentrieren. Die Flucht in die Passivität sehen sie oft als einzigen Ausweg. Viele reagieren nur noch, wenn sie angesprochen werden, ihre Eigeninitiative schwindet fast vollständig. Abgeschlagenheit und Müdigkeit sind die Folge. Kinder und Jugendliche der anderen Gruppe suchen dagegen die Konfrontation – seien es gewaltsame Auseinandersetzungen mit Mitschülern oder in Form von Sachbeschädigungen. Teilweise richtet sich die Wut auch gegen die eigene Person. Ritzen und Selbstverletzungen sind in diesen Fällen keine Seltenheit. Ein Teil der Betroffenen wird selbst zum Täter. Sie versuchen so, ihre Aggressionen an Unterlegenen abzubauen. Viele Schüler, die unter Cybermobbing leiden, fehlen häufig in der Schule und bringen immer öfter schlechtere Noten mit nach Hause.

Wenn Cybermobbing auf den Magen schlägt

Bei einigen Mädchen und Jungen äußert sich das Leiden auch in Form von physischen Symptomen. Zahlreiche Kinder klagen vermehrt über Bauch- und Kopfschmerzen, Schlafprobleme oder Appetitlosigkeit. Viele dieser Anzeichen treten besonders kurz vor Schulbeginn auf, oder wenn generell das Thema Schule angesprochen wird. Nicht selten befallen Kinder Migräneanfälle oder sie entwickeln psychosomatische Allergien.

Ausgrenzungen nicht nur in der virtuellen Welt

Cybermobbing hat auch Auswirkungen auf das Sozialverhalten der Betroffenen. Sie möchten von sich aus nicht mehr zu Geburtstagsfeiern oder ähnlichen Veranstaltungen. Ein Großteil der Kinder und Jugendliche wird von vorneherein nicht mehr zu Partys eingeladen – niemand will einen vermeintlichen „Loser“ dabei haben. Generell werden die Kontakte zu Freunden und Klassenkameraden immer weniger. Schließlich wissen alle Schüler dank des Internets immer direkt darüber Bescheid, was andere von dieser Person halten. Auch im Unterricht sind Anzeichen fürs Mobbing zu erkennen: Das Kind sitzt häufig alleine, niemand möchte freiwillig eine Partnerarbeit mit ihm durchführen. In den Pausen wird es von den anderen ausgegrenzt.

Hier noch einmal eine kleine Übersicht über die gängigsten Symptome:

– Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Migräneanfälle, Allergien, Schlafprobleme, Müdigkeit, Appetitlosigkeit,

Depressionen, Selbstverletzungen

– Aggressivität, Gereiztheit, Wutausbrüche, Sachbeschädigungen

– Passivität, Apathie, Niedergeschlagenheit, Dünnhäutigkeit

– Leistungsabfall, Konzentrationsschwächen

– Vermehrte Fehlstunden in der Schule; keine Lust die Schule aufzusuchen

– Herunterspielen der Situation, Verschwiegenheit

– Keine Kontakte mehr, keine Einladungen zu Feiern, veränderte Sitzordnung in der Schule

Im nächsten Teil geben wir ein paar Anregungen, wie man sich am besten verhält, wenn Cybermobbing an der Tagesordnung steht.

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